Bewegung: Grußwort an die Streikenden im Sozial- und Erziehungsdienste

20150518_SuE_ver.diKlein_thumb_large0_900Hier der Wortlaut meiner Rede zur Unterstützung der Sozial- und Erziehungsdienste:

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Münchnerinnen und Münchner, liebe Streikende!

Ich freue mich sehr, dass ich heute bei Eurer Kundgebung sein kann und Ihr mir die Gelegenheit für ein kurzes Grußwort gebt,
und ich freue mich, Euch die Unterstützung der bayerischen Landesgruppe der LINKEN überbringen zu können.
Vor allem aber freut mich, was für ein kraftvolles Zeichen Ihr gleich zu Beginn dieser Auseinandersetzung gesetzt habt!

Die gute Beteiligung bei den Warnstreiks,
die rund 4.000 Teilnehmenden beim Streikauftakt in München,
die rund 150.000, die in der letzten Woche bundesweit gestreikt haben,
sprechen eine sehr deutliche Sprache:
Ihr meint es ernst mit Euren Forderungen, die Aufwertung ist mehr als überfällig!
Zu diesem starken und kraftvollen Zeichen gratuliere ich Euch!

Eure Auseinandersetzung und dieser Streik sind deswegen so wichtig, weil es hier nicht nur um die richtige und berechtigte Forderung von durchschnittlich 10 Prozent mehr Lohn geht.
Es geht um viel mehr, und es geht um eine Auseinandersetzung, die gesellschaftlich von enormer Bedeutung ist: Es geht um die Frage,
wie viel ist dieser Gesellschaft eigentlich die Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern, von Pädagoginnen und Pädagogen, von Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern wert?
Wie viel ist dieser Gesellschaft die Arbeit mit Kindern und jungen Menschen wert? Wie viel ist eine Arbeit wert, die einen so wichtigen Beitrag für die Zukunft der Gesellschaft leistet?
Es geht bei Eurer Auseinandersetzung um nichts Geringeres als um den Kampf für eine angemessene Anerkennung und Wertschätzung gegenüber Bildungs- und Erziehungsberufen.
Und es geht darum, eine gesellschaftliche Debatte um Werte und Prioritäten anzustoßen, weil es einfach nur skandalös ist,
in welchem Maße Löhne und Gehälter hierzulande auseinanderklaffen,
und weil nicht einzusehen ist, dass für jedes Großprojekt im Verkehr oder Sport Geld da sein soll, aber nicht dafür, dass Erzieherinnen und Erzieher von ihrer Arbeit leben können!
Erziehungs- und Sozialarbeit wird in dieser reichen Gesellschaft massiv unterbewertet, und dabei muss es endlich ein Umdenken geben!

Seit Beginn des Kita-Ausbaus warnt die Fachwelt
vor einem Fachkräftemangel,
vor der zunehmenden Belastung der Beschäftigten
und mahnt den überfälligen Qualitätsausbau in der Kinderbetreuung an.
Aber obwohl in den vergangenen Jahren immer mehr junge Menschen eine Erzieher- bzw. Erzieherinnenausbildung absolviert haben, steigt das Durchschnittsalter des Personals.
Arbeitsunfälle und psychische Erkrankungen nehmen zu.
Gerade mal die Hälfte der Beschäftigten hat einen Vollzeit-Vertrag,
jeder fünfte Beschäftigte ist befristet beschäftigt.
Kolleginnen und Kollegen – das sind untragbare Verhältnisse, und wenn sich heute einer über den Streik ärgert, dann muss er oder sie sich überlegen, ob sie selbst unter solchen Bedingungen arbeiten wollen und können.
Ihr habt den allergrößten Respekt verdient dafür, welch qualitativ hochwertige Arbeit Ihr die ganze Zeit unter diesen Bedingungen in den Sozial- und Erziehungsberufen leistet!

Aber mein Eindruck in Gesprächen und auf der Straße ist:
Die Mehrheit der Bevölkerung denkt da wie ich,
die Mehrheit der Eltern, der Großeltern und Angehörigen,
steht hinter Euren Forderungen. Es gibt ein großes Verständnis für Euren Schritt, in den Streik zu gehen.
Und es ist jetzt ganz klar am Kommunalen Arbeitgeberverband, in den nächsten Tagen endlich ein ernsthaftes Angebot vorzulegen, anstatt auf Zeit zu spielen und damit letztlich die Fortsetzung des Streiks zu provozieren.

Um es ganz klar zu sagen: es ist eine Ausrede, wenn gesagt wird, es ist nicht genug Geld da, um Eure Forderungen zu finanzieren,
denn es liegen mehr als genug Vorschläge auf dem Tisch, wie man es finanzieren könnte:
Es wurde mehrfach vorgeschlagen, wie auch die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen kann, um eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe zu unterstützen und Rahmenbedingungen für Gute Arbeit zu schaffen, denn es ist natürlich eine gesamtgesellschaftliche und nicht nur eine kommunale Aufgabe, den Rechtsanspruch auf frühkindliche Bildung zu verwirklichen!
Ein Schritt wäre zum Beispiel, endlich das Betreuungsgeld abzuschaffen und stattdessen den Kita-Ausbau massiv zu verstärken!
Es wurden Vorschläge gemacht, die die Kommunen finanziell in die Lage versetzen würden, Tariferhöhungen zahlen zu können, zum Beispiel durch eine sozial gerechte Steuergesetzgebung.
Und jetzt wurde der Vorschlag gemacht, dass der Bund die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen komplett übernehmen und so die Kommunen entlasten kann.

Kolleginnen und Kollegen, es ist an der Zeit, dass das Nicht-Handeln der Politik der letzten Jahre nicht mehr länger auf Eurem Rücken ausgetragen wird,
wer eine qualitativ hochwertige soziale Infrastruktur, Kinderbetreuung und Bildungsangebote möchte, der muss jetzt die Arbeitsbedingungen verbessern!
Und um es auch ganz klar zu sagen: in allen Erziehungsberufen und nicht nur bei einem Teil!
Mit Euren Forderungen und Eurem Streik liegt Ihr goldrichtig und dafür habt Ihr unsere volle Unterstützung!

Vielen Dank.

Share this Post