Das neue akademische Proletariat

Manche Stimmen in der LINKEN beklagen, dass die Partei zu einer Akademiker*innenpartei geworden sei. Hierin drückt sich die Sorge aus, dass die soziale Frage gegenüber vermeintlich rein identitätspolitischen Themen in den Hintergrund rücken könnte und zur Abwendung von klassisch linken Wähler*innenmilieus der Arbeiter*innen und sozial Benachteiligten führe.

Von Nicole Gohlke, Christian Schaft und Tobias Schulze

Diese Stellungnahmen reflektieren jedoch nicht den Wandel der Hochschulbildung. Denn die Hochschulexpansion und die zunehmende Akademisierung der Lohnarbeit bedeuten in der neoliberalen „Abstiegsgesellschaft“ nur selten eine Aufwertung neuer akademischer Berufe und Beschäftigtengruppen. Stattdessen ist ein akademisches Proletariat entstanden, das zum einen dadurch gekennzeichnet ist, dass sich Akademiker*innen in sozialer Lage und gesellschaftlicher Stellung zunehmend dem nicht-akademischen Teil der Klasse der Lohnabhängigen angeglichen haben, und zum anderen, dass sich gleichzeitig ein wachsender Teil des „klassischen Proletariats“ akademisiert, denn immer mehr eigentlich klassische Lehrberufe benötigen eine immer höhere Qualifikation.

Links Bewegt Magazin vom 19.04.2021 Zum Artikel

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