MdB Nicole Gohlke

Wenn die Arbeit kaum zum Leben reicht

Die Zahl der Mehrfachbeschäftigten stieg von 2013 bis 2020 im Freistaat um rund ein Drittel an. Das geht aus Zahlen des bayerischen Arbeitsministeriums hervor. Die meisten üben einen Minijob aus. Aufgrund der Corona-Pandemie ging die Zahl der geringfügig Beschäftigten im vergangenen Jahr zwar zurück, bundesweit ist sie jedoch noch immer weit höher als in den 2000er-Jahren. Wäre ein Verbot der Minijobs sinnvoll?

Die Zahl der Menschen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ist in den vergangenen Jahren bundesweit deutlich gestiegen – allein von 2013 bis 2019 um rund 700 000 von 2,8 auf 3,5 Millionen. Das geht aus einer Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Besonders rapide wuchs die Zahl der Arbeitnehmer*innen, die nebenher einer geringfügigen Beschäftigung nachgingen.

Fast 617 000 Menschen im Freistaat hatten im Herbst 2020 zusätzlich zu ihrem Haupterwerb einen Minijob, waren also geringfügig beschäftigt. Im Dezember 2013 hatte deren Zahl noch lediglich bei 489 000 gelegen. Ein Zuwachs von 26 Prozent.

„Soziales Desaster“

Daran, dass eine erhebliche Zahl an Menschen in Bayern von ihrer eigentlichen Arbeit ihren Lebensunterhalt nicht bestreiten kann und deshalb mehreren Jobs nachgehen muss, ändert aber auch dieser Rückgang nichts. Die Linke sieht angesichts dessen massiven Handlungsbedarf. Nicole Gohlke, Spitzenkandidatin des bayerischen Landesverbands für die Bundestagswahl, ist überzeugt: „Dass immer mehr Menschen zwei oder mehr Jobs brauchen, um die nötigsten Dinge bezahlen zu können, ist ein soziales Desaster.“

Wer jeden Tag arbeiten gehe, habe „es mehr als verdient, davon leben zu können“. Gohlke fordert einen Mindestlohn von 13 Euro. Nur dieser schütze vor Altersarmut. Minijobs gehörten schrittweise zugunsten sicherer und sozialversicherungspflichtiger Arbeitsverhältnisse abgeschafft. „Wir wollen, dass die öffentliche Hand Aufträge nur noch an tarifgebundene Firmen vergibt“, sagt die Bundestagsabgeordnete.

Bayerische Staatszeitung vom 11.06.2021 Zum Artikel

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