Linken-Kandidatin Nicole Gohlke:“Ich bin fassungslos“

Die Münchnerin Nicole Gohlke ist Spitzenkandidatin der bayerischen Linken. Im AZ-Interview ärgert sie sich über Versäumnisse in der Schulpolitik und erklärt, wie ihre Partei Superreiche zur Kasse bitten möchte.

Warum braucht es die Linke?

Weil sie die einzige Partei ist, die soziale Fragen so richtig auf dem Schirm hat. Aus den Wahlprogrammen von Union und FDP weiß man, dass sie Steuererleichterungen für die reiche Klientel und Konzerne planen. Die SPD hat das Vertrauen verspielt, eine Umverteilung anzupacken. Sie hat das zwar über Jahrzehnte immer angekündigt – aber nichts getan. Und von den Grünen ist bekannt, dass sie die Sache der Beschäftigten oder des ärmeren Teils der Gesellschaft nicht dominant mitvertreten.

Wo setzen Sie Ihre Schwerpunkte?

Die große Frage für uns ist, wer zahlt für die Kosten der Corona- und Wirtschaftskrise, der Flutkatastrophe und des Klimawandels? Da wird darüber geredet, die Menschen erst mit 68 oder 70 in Rente gehen zu lassen. Es wird über Sonntagsarbeit diskutiert, über weniger Urlaubstage, Nullrunden bei Löhnen, Renten oder Sozialleistungen. Das ist der falsche Weg. Die Politik der letzten Jahre mit sinkenden Löhnen und einer sozialen Spreizung der Gesellschaft, der Ökonomisierung vieler Lebensbereiche, Privatisierung, Arbeitsverdichtung – zum Beispiel im Gesundheitsbereich – hat doch dazu geführt, dass wir als Gesellschaft schlecht gegen Krisen wie die aktuellen gewappnet sind.

Abendzeitung vom 24.07.2021 Zum Artikel

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