MdB Nicole Gohlke

„Es gefällt mir, etwas zu bewegen“

Wie eine typische Politikerin sieht sie nicht aus, dachte Ludwig, als er in München die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke traf. Im Gespräch ging es um die Probleme der Einwohner des Wahlkreises, die politischen Ziele der 45-Jährigen und die Frage, nach wem Plätze benannt werden sollten.

Wir treffen uns am Georg-Freundorfer-Platz in München, Gohlkes Heimatstadt. Sie ist dort aufgewachsen, hat Kommunikationswissenschaften studiert und immer dort gelebt. Sie versteht sich als Abgeordnete für ganz München und nicht nur für ihren Wahlkreis München-West/Mitte, in dem sie als Direktkandidatin antritt, sagt sie. Für Fraktion Die Linke im Bundestag ist sie sogar Sprecherin der bayrischen Landesgruppe.

Bildung und Bauen

Wir stehen auf der Wiese, umgeben von Bäumen, neben uns ein großer Fußballplatz und gewundene Klettergerüste. Vor allem Schüler und junge Menschen, die eh schon soziale Probleme haben, seien in der Corona-Krise abgehängt worden, sagt Gohlke und schaut sich um. Sie sieht die Regierung in der Pflicht, mehr zu machen: Egal ob mehr Räume und mehr Personal, es müsse jetzt alles getan werden, damit die Schulen nicht erneut schließen müssen.

Genau das sind ihre Themen: denn die 45-Jährige sitzt im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Bundestages und ist Hochschul- und Wissenschaftliche Sprecherin ihrer Fraktion. „Ein anderes Problem ist, dass München eine sehr teure Stadt ist. Es gibt wenige Plätze für Jugendliche, an denen sie nicht sofort etwas kaufen müssen“, erklärt mir Gohlke. Nicht jeder habe das Geld, sich mit seinen Freunden in den Biergarten zu setzen und dort Getränke und Essen zu konsumieren. Leider gebe es aber sonst zu wenig Orte, an denen sich Jugendliche ungezwungen Treffen können, findet die Abgeordnete.

Immobilienpreise einfrieren

In ihrem Wahlkreis ist das Thema aktuell: Immerhin fast 16 Prozent der Einwohner und Einwohnerinnen sind unter 18 Jahren, ein Großteil zwischen 35 und 39 Jahren und damit in einem Alter, indem viele eine Familie haben. Das Durchschnittseinkommen liegt in München West/Mitte bei 32.766 Euro je Einwohner. Zum Vergleich: Bundeweit sind es 47.700 Euro.

Ein Problem, das nicht nur junge Leute betrifft, ist der teure Wohnraum in München. Will man eine Wohnung kaufen, zahlt man im Schnitt 8.200 Euro pro Quadratmeter und somit ist München die drittteuerste Stadt Europas. Auch die Mieten sind extrem hoch. Für Studierende wird die Wohnungssuche zur Herausforderung und viele Leute, die schon immer in München gewohnt haben, müssen wegziehen. Gohlkes Vorschlag: Immobilienpreise für eine gewisse Zeit einfrieren, damit Wohnungen generell kein spekulatives Geschäft mehr sind.

Mitmischen.de vom 27.08.2021 Zum Artikel

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