MdB Nicole Gohlke

„Wer sich nicht wehrt ist selbst schuld“ – Ermittlungen zu Vergewaltigung erneut eingestellt

Erst vor einer Woche ging landauf landab durch die Medien, dass nur wenige Vergewaltigungsfälle vor Gericht landen, und noch weniger Täter auch tatsächlich verurteilt werden. Ganz ratlos taten da die Staatsanwaltschaften und die Regierung. Donnerstag Abend dann die Nachricht: die Staatsanwaltschaft München hat den Fall von Nina F., die vor sechs Jahren in München nachts in einem Park vergewaltigt wurde, erneut eingestellt.
Und dabei ist dieser Fall dem öffentlichen Verständnis nach so eindeutig, wie er nur sein kann: Der Täter ist bekannt und per DNA eindeutig zugeordnet. Nina F. hatte Schürfwunden und blaue Flecken. Sie hat große Erinnerungslücken, war stark alkoholisiert, eine K.O.-Tropfen Vergiftung wird vermutet. Der Blackout wird auch von der Staatsanwaltschaft anerkannt, denn es wird zum Problem gemacht, dass sie sich nicht an die Geschehnisse erinnern könne. Trotzdem will die Staatsanwaltschaft Zweifel daran haben, dass die Täter bemerkt haben können, dass Nina F. sich nicht wehren konnte. Und scheinbar gilt in München bis heute: Wer sich nicht wehrt ist selbst schuld.

Wir fragen uns wirklich, was Frauen eigentlich alles durchmachen und überleben müssen, um vor Gericht als Gewaltopfer anerkannt und entschädigt zu werden – und um Täter angemessen zu bestrafen.

Nein heißt nein!
Zögern und ausweichen heißt nein!
Blackout heißt nein!
Schlafend heißt nein!

Wir senden Solidarität und alles, alles Gute an Nina, an alle, die in zermürbenden Prozessen hängen und an alle anderen, die es aus diesen Gründen nicht wagen, die Gewalt, die sie erlebt haben, anzuzeigen.

Linker Feminismus vom 15.11.2019 Zum Artikel

„Wer sich nicht wehrt ist selbst schuld“ – Ermittlungen zu Vergewaltigung erneut eingestellt
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